
Während am Freitag bereits die erste Abschiedsparty läuft, wollen wir uns vorher noch kurz bedanken. Warum? Wir wandern aus! Andy (das offizielle Fritz Kalkbrenner-Double) zieht es beruflich nach Berlin, ich gehe für einen neuen Job nach Frankfurt. Heute hier, morgen dort.
Zuerst einmal vielen Dank an das Stuttgarter Schlossgarten Hotel und alle Gäste, die dort von 2006 bis 2009 gewohnt haben. Die Hotelzimmer liegen auf gleicher Höhe wie der Sky Beach, was zu diversen telefonischen Beschwerden und anschliessenden Polizeieinsätzen geführt hat. Komischerweise gab es dieses Problem nur bei uns. Entweder waren wir deutlich lauter als die anderen DJs, oder unsere Musik war einfach beschissen. Aber freut Euch nicht zu früh, wir kommen in diesem Sommer noch mal für einige Sky Beach-Gigs nach Stuttgart!
Lieblingsnachbar Carsten aus der Seerosenstrasse in Vahiningen: Danke für die unzähligen Grillabende, Barcelona, Italien, Wein, FK Allstars, Treppenhausbeschallung und Aftershowpartys. (Achtung, jetzt kommt das Musikbett mit den Geigen!) Ich hoffe, dass diese Freundschaft über die Grenzen von Stuttgart hinaus besteht.
Herzlichen Dank an das Waranga, unser zweites Wohnzimmer am kleinen Schlossplatz. Ich habe bei Euch, gerade im Sommer, unzählige schöne Stunden verbracht und mit ein paar dutzend Spaniern bei der WM 2006 bis zum Sonnenaufgang getanzt. Für die geschätzten 18.000 Euro, die ich bei Euch an der Bar gelassen habe, könntet Ihr vielleicht eine kleine Lars-Gedenktafel aufm Klo installieren.
Danke auch an Onkel Felice, der uns anfangs im “Due Stanze e Cucina” sensationell umsorgt, bekocht und abgefüllt hat und später als Gastgeber der 120-Minuten-Partys gezeigt hat, dass die Stuttgarter im Nachtleben auch mal Bundesweit Trends setzen können. Respekt, ehrlich.
Big Tom, der nackte Mann aus Stuttgart verdient auch ein “Danke”. Nämlich dafür, dass er mir gezeigt hat, dass in Stuttgart doch ganz coole Leute rumlaufen. Auch wenn ich schon in ein paar Tagen umziehe, wir treffen uns noch wie vereinbart auf einen Drink. Vielleicht im Sommer auf dem Sky Beach? Dann komme ich auch nackt.
Noch jemand vergessen? Ja! Danke an das beste Radioteam der Welt, Tolgay aus der Corso-Bar, an den gerade neu gewonnenen Krav Maga-Partner Michael, Britta (wir sehen uns auf der Kiez-Golf-Tour), Christin, Lothar, Peter und den Rest der Sky Beach-Crew. Danke an Chrissi für die vielen tollen Stunden auf dem Balkon, am See oder auf Ibiza. Danke an die Seerosen-Kommune Regina, Diana, Kerstin, Frank und Jörg (Ihr habt jetzt alle keinen Internetzugang mehr, ha!). Jan Pfirrmann fürs Einspringen in der Stute. Danke an Bettina, die jetzt beim falschen Sender arbeitet und an die Aufguss-Sadisten aus den Schwabenquellen, die mich einige Male fast umgebracht hätten. Martin “Rimmel-Rammel-Rum” Elbert verdient ein dickes Dankeschön dafür, dass er uns nicht nur auf kessel.tv gezeigt hat, dass Stuttgart eigentlich doch ganz cool ist. Marius Hirschmann für viel Spaß vom Colibri übers Romy S. bis zum “Bett” und obendrauf für die wenigen aber guten Stunden, wo wir zusammen gearbeitet haben. Danke an KrisZe für die vielen guten und mutigen Veranstaltungen wie das Semf-Festival, die Bar25-Events und die Afterhours.
Wie sieht die Zukunft aus? Andy lässt seinen Bart noch länger wachsen als Ricardo Villalobos und legt am Montagnachmittag (Peaktime!) in der Bar25 auf. Ich werde offizieller Platten-Anreicher von Sven Väth im Cocoon Club und darf als Belohnung an seiner Nebelanlage rumspielen.
Nein, im ernst: Wir sind beide vermutlich noch oft in Stuttgart und bestimmt auch mal am Wochenende im Sky Beach an den Decks. Ansonsten halten wir Euch natürlich hier im Blog über das neue Leben in Berlin und Frankfurt auf dem Laufenden. Applaus, danke, wir sind raus.
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Andy und ich sind große Fans von Fritz Kalkbrenner. Seit Jahren haben wir überm Bett den Bravo-Starschnitt hängen, einen “I Love Fritz” Aufkleber aufm Auto und Fritz als Kuscheltier. Beim seinem letzten Gig im Romy S. hingen wir kreischend vorm DJ-Pult und mussten später ohnmächtig von der Security raus getragen werden. Am 27. März wird Fritz das nächste Mal bei uns im Stuttgarter Romy S. spielen. Wir durften ihm vorher exklusiv ein paar Fragen stellen.
G&G: Ganz ehrlich und ohne “Ihr seid das beste Publikum der Welt”. Wie feiern
die Leute in Stuttgart im Vergleich zu Berlin?
Fritz: Für eine fundierte Aussage zu dem Thema fehlen mir ausreichende Vergleiche, da ich noch nicht so oft in Stuttgart gespielt habe und das dann eher Ausnahmesituationen als reguläre Clubgigs waren. Ich habe meist nur gutes gehört.
G&G: Fällt Dir spontan (ohne googeln!) ein DJ aus Stuttgart ein?
Fritz: Motor City Drum Ensemble.
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Man lernt ja bekanntlich nie aus. So auch vorgestern. Beim Auflegen wurde mir von einem weiblichen Gast vom Schniblo Tag erzählt. Schni was? Schniblo! Schnitzel und Blowjob. Und dieser etwas eigenwillige Tag ist eben heute – 14. März.
Diese etwas aussergewöhnliche Konstellation ist der Konterpart zum Valentinstag. Die Herren der Schöpfung tun sich ja immer etwas schwer geeignete Geschenke zu finden. Blumen, Essen beim Lieblingsitaliener, Kino, Kurzurlaub oder, oder, oder…
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Ich war vor vielen Jahren mal in diesem Café, oben auf dem Stuttgarter Fernsehturm. Furchtbar. Kantinen-Style, Einrichtung aus den frühen 90ern, Toast-Hawaii. Da wäre selbst Christian Rach gescheitert und hätte sich anschließend von der Aussichtsplattform gestürzt. Im letzten Jahr wurde der Schuppen also erst mal dicht gemacht.
Seit ein paar Tagen ist das Café wieder geöffnet. Der neue Pächter ist Benny, ehemaliger Scholz-Barkeeper und derzeitiger Messalina-Veranstalter. Scheint wohl ganz gut zu laufen, Benny sagt, er hat gerade die erste Europalette Milch bestellt. Gutes Zeichen. Milch hilft immer. Publikum besteht wohl aus Touristen, Stuttgartern, Pärchen, Reisegruppen und Hochzeitsgesellschaften. Außerdem wurde alles etwas renoviert, schlichter, Fokus auf die Aussicht und nicht auf die Tischdeko.
Kann man da oben nicht auch mal ne Party veranstalten? Benny sagt nein, denn es gibt oben nicht nur ein Rauchverbot, sondern auch ein Tanzverbot. Ist das Ding schon so marode? In Hamburg läuft es allerdings noch schlechter, Aussichtsplattform und Restaurant stehen im Hamburger Fernsehturm seit fast zehn Jahren leer. Schade.
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Vor genau einem Jahr in der Redaktion, ein ganz normaler Morgen gegen 09:45 Uhr. Kurz vor der großen 10-Uhr-Konferenz. Käffchen in der Hand, Smalltalk mit dem Team, Alltag. Die Kollegin vom Hörertelefon kommt und meldet den Anruf einer Hörerin, die gegenüber der Albertville-Realschule in Winnenden wohnt. Sie berichtet von einem Großeinsatz und von Polizisten mit Maschinenpistolen. Kurz darauf der nächste Anruf, gleichzeitig kommt aus der Nachrichtenredaktion die Bestätigung: Amoklauf. Kurze Besprechung, ein paar Kollegen recherchieren am Telefon. Es gibt bisher kaum Informationen. Ich packe das Equipment ein und laufe zusammen mit zwei Kollegen runter auf den Parkplatz.

Ich war vorher noch nie in Winnenden. Also beim runterfahren vom Parkplatz das Navi programmiert und schnell auf die B14. Radio an. Wir hören neue Infos, es ist die Rede von mehreren Toten und Verletzten. Ich spreche mit den Kollegen im Auto und probiere, meine eigene Aufregung zu überspielen. Das Navi zeigt noch mehr als 10 Kilometer, in beiden Richtungen rasen Polizeiautos und Zivilwagen mit Blaulicht vorbei. Die Kollegen rufen an, “wann seit Ihr da?”.
Das Navigationssystem zeigt nur noch ein paar Kilometer, aber plötzlich ist die B14 dicht. Kein durchkommen, Stau. Winnenden ist weiträumig abgesperrt. Ich sehe im Rückspiegel, wie sich weitere Einsatzwagen mit Blaulicht und Sirene den Weg durch den Stau bahnen, direkt an uns vorbei. Letzte Chance, Warnblinker an und hinter dem letzten Polizeiwagen durch die Gasse. Wir sind zusammen mit einem Kameramann und zwei lokalen Fotografen die Ersten. Überall laufen weinende Eltern mit Handy am Ohr, Kinder erzählen uns davon, dass sie gerade aus dem Fenster ihrer Klasse gesprungen sind. Auf dem Schulhof liegen Schuhe.
Inzwischen rufen Radiosender aus Bayern, Hamburg und Niedersachsen auf meinem Handy an, die eigentlichen Kollegen kommen nicht mehr durch. Erstmal kurz sammeln. Was haben wir gelernt? Pressesprecher suchen, neue Informationen holen. Gibt aber keine Informationen, Polizisten schreien mich an. Eine Mutter fragt mich weinend, wo ihre Tochter ist. Kurz darauf steht die Verbindung zu den Kollegen, also erste Eindrücke schildern: Kinder werden evakuiert, mehrere Hubschrauber am Himmel, Täter ist flüchtig, SEK auf dem Dach der Schule, Chaos.
Kurzzeitig bricht in Winnenden das Handynetz zusammen. Die Fotos, die ich gerade noch an die Onlineredaktion schicken wollte, bleiben im iPhone stecken. Wir bauen in einer Ecke des Schulhofes das kleine Gerät auf, um O-Töne per Satellit zu überspielen. In der Schule sind immer noch Kinder, stehen an den Fenstern. Nach einer guten Stunde die erste, improvisierte Pressekonferenz in der Turnhalle. Nur ein paar Worte. “Der Täter ist immer noch flüchtig”. Komisches Gefühl, selbst inmitten von mehreren hundert Polizisten.
Nach mehr als drei Stunden Hektik, Chaos und fast leeren Handyakkus dann der erlösende Anruf von den Kollegen aus Wendlingen: “Es ist vorbei”. Gegen 16 Uhr zurück im Sender, um 20 Uhr zum Waranga. Mehr als eine Stunde lang, Bier. Draußen auf ner Bank. Ganz alleine.
Einige Wochen später meldet sich Marc bei uns. Er ist 16 Jahre alt und hat einen Song für seine Freundin Nicole gesungen, die erschossen wurde. Wir spielen den Song im Radio, Marc bekommt riesiges Feedback. Im Winter gehen wir gemeinsam Essen, die Eltern von Nicole sind auch dabei. Sehr nette Leute, sehr schüchtern, sehr traurig.
Für mich war der Job am 11. März 2009 ein Schock. Wie lächerlich im Gegensatz zu den Menschen, die wirklich betroffen sind. Ich verneige mich vor der unglaublichen Stärke, mit so einem Schicksal umzugehen.
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Noch in diesem Jahr sollen die Google Street View-Funktion für Stuttgart veröffentlicht werden. Die Kamera-Autos sind ja schon im letzten Jahr durch die City gefahren. Jeder der im Erdgeschoss wohnt, hat dann die Arschkarte gezogen und kann sich idealerweise kopulierend im Netz wieder finden. Bis der Spaß losgeht lässt sich die Stuttgarter City bei Google Earth in 3D angucken. Gibts wohl schon länger, inzwischen sind fast alle wichtigen Gebäude (abgesehen vom Waranga) verfügbar.
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