Fliegen “kann” so schön sein…
Geschrieben von Andy in Allgemein, Hamburg, Stuttgart, tags: Business-Kasper, Flughafen, Germanwings, Hamburg, Streik, StuttgartIch war über’s verlängerte Wochenende mal wieder in good old Hamburg. Ein Zahnarzttermin und der 30. Geburtstag von Kumpel Jan standen auf’m Programm. Meine Günstig-Airline Germanwings hat mir einen Hin- und Rückflug für 44€ ermöglicht. Faire Nummer, schließlich hatte ich in der Vergangenheit schon ganz andere Preise für die Strecke gezahlt.
Erster negativer Beigeschmack war natürlich der Pilotenstreik, eine sehr unangenehme Randbedingung. Vor allem fühlte man sich irgendwie von der Airline im Stich gelassen. Am Donnertag hatte ich zwischen 20.30 und 23.00 Uhr unzählige Male auf der eigens eingerichteten 0800-Streik-Hotline angerufen. Wenn man Glück hatte, dann gab es mal kein Besetztzeichen. War man endlich in der Warteschleife gelandet, vergingen ca. 13 Minuten, bis man aus der Leitung geschmissen wurde. Auch auf der kostenpflichtigen 0900-Service (?!) Hotline gab es einfach kein Durchkommen. Man hatte den Eindruck, dass sich nicht nur die Piloten im Streik befinden. Am Freitagabend erhielt ich dann plötzlich von Germanwings eine Email mit der Info, dass ich auf eine andere Maschine umgebucht worden sei. Dies möge ich doch bitte mit einem Klick bestätigen – gemacht getan. Der Rückflug nach Stuttgart war also gesichert. Wie sonst hätte ich auch für die erstatteten 22€ bequem von Hamburg nach Stuttgart kommen sollen?
Naja, blenden wir die Streikerei einfach mal aus. Irgendwie ist es immer ein Erlebnis, wenn man sich mal die Leute und deren Verhalten in den Maschinen anschaut. Da sind zum einen die mehr oder weniger hart arbeitenden Geschäftsleute. In der Regel reist diese Spezies nur mit Handgepäck. Ein normaler Mensch könnte jedoch mit deren Verständnis für “Handgepäck” einen mehrwöchigen Urlaub bestreiten. Nicht selten sind die meisten Handgepäckfächer bereits beim Betreten der Maschine mit den Aluminium-Köfferchen in Beschlag genommen.
Einer dieser Geschäftsreisenden erweckte am Montag meine Aufmerksamkeit. Der feine und noch recht junge Herr in Anzug und Slippern hatte noch vor dem Start sein Notebook Netbook aufgeklappt und musste irgendwelche sinnbefreiten Aktionen durchführen. Zunächst wurde die Schutzfolie des Displayrahmens abgezogen. Dann schnell den Rechner hochfahren, irgendwas in einer Office-Anwendung machen und wieder runterfahren. Vielleicht brauchte er auch nur die Aufmerksamkeit der Stewardess, die dann kurz vor dem Start sagte: ”Bitte schalten AUCH SIE jetzt Ihr Gerät aus!“. Beim Start bin ich dann eingeschlafen. Irgendwann wurde ich wieder wach und konnte dem Schauspiel auf seinem Monitor wieder folgen. Zunächst hat man sich über die eingebaute Webcam eine Weile selbst betrachtet. Zu genial!!! Vielleicht gibt’s dazu ja noch ein Video bei Youtube! Dann wurden irgendwelche Bilder betrachtet und zum Schluss erschien noch eine Pseudo-Excel-Tabelle. Als unser Nachwuchsmanager dann mal wirklich angefangen hat zu “arbeiten” (irgendeine PowerPoint-Präsentation mit “Bestandskunden” und “1.000.000 €”) bin ich flott wieder eingepennt. Ich habe es immer vermiedem im Flieger am Laptop zu arbeiten. Schließlich weiß man nie, wer sonst noch alles auf meinen Bildschirm schielt. So wichtig kann die Computerarbeit nicht sein, dass es einem Unternehmen egal ist, wenn die mitfliegende Konkurrenz geheime Firmen-Internas erfährt.
Gerne genommen sind auch die Passagiere, die direkt ihr Handy einschalten müssen, sobald die Maschine Bodenkontakt hat. Kaum hört man das erste Handy piepen, hat man den Eindruck, dass die anderen gerade eingeschalteten Telefone ihm antworten: “Piep, piep. Ich bin auch schon an! Piep, piep!” Es folgt ein wahrer Nokia-SMS-Benachrichtigungskanon aus alles Richtungen im Flugzeug. Diese Passagiere sind es in der Regel dann auch, die als erstes in voller Montur im Gang stehen und ihr übergroßes Handgepäck aus den Fächern zerren. Rekordhalter schaffen das sogar noch vor Stillstand des Flugzeuges. Da wünscht man sich mal eine herzhafte Vollbremsung des Piloten. Da jedoch Germanwings in Stuttgart eigentlich nie an einem Gate parkt, sondern auf’m Vorfeld, macht es mal gar keinen Sinn, wenn man als Erster aus dem Flieger in den Bus gestürmt ist. Dort wird dann nämlich gemeinschaftlich auf den letzten Passagier gewartet, der sich eine Freude draus macht die Treppenstufen genüsslich hinunter zu schlendern.
Ist man dann endlich im Terminal an der Gepäckausgabe angekommen, bietet sich einem das nächste Schauspiel. Es ist schon fast ein Ritual, dass sich der “kluge” Passagier so dicht wie möglich ans Gepäckband stellt. Ich beobachte das Treiben gerne aus ein paar Metern Entfernung und warte bis mein Koffer “zu Tage” kommt. Vielleicht gehen eben diese Passagiere davon aus, dass sie ihr Gepäck schneller erhalten, wenn man näher am Band steht und den anderen, auf Distanz wartenden Passagieren, den Blick und Zugriff auf ihren Koffer versperrt.
Irgendwie war das früher alles nicht der Fall, oder?! Fliegen zählt zwar immer noch zu einer meiner Lieblingsfortbewegung (bei Strecken >400km), aber das Verhalten einiger Fluggäste erinnert stark an den ersten Durchgang bei einem Buffet in einem typischen All-Inklusive Touri-Bunker auf Malle. Gedrängel und Hektik ohne Ende.
Ich hoffe nur, dass die Fluggesellschaften mal wieder auf etwas mehr Disziplin im Flieger achten: striktes Handyverbot an Bord und Einhaltung der Handgepäckmenge. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es ausarten würde, wenn im Flieger das Handyverbot aufgehoben wird und man dem Dumm-Geschwätz einiger Business-Kasper zwangsläufig zuhören “muss”! Hier noch ein passendes Video zum Thema Business-Kasper.
Guten Flug.
Einträge (RSS)
“Zunächst hat man sich über die eingebaute Webcam eine Weile selbst betrachtet.”
Haha, musste gerade echt lachen, da ich mich erkannt habe
wie dem fräulein oben muss auch dir mal sagen: mach mehr absätze, dann liesst sich das besser. sixt werbung knaller
Ich gelobe Besserung, Herr Ram!
Die Schlimmsten Leute sind die, die mit dem Flugzeug zum Zahnarzt fliegen
Noch so’n Spruch und Du brauchst bald ‘nen Zahnarzt, Freundchen!
Andilein…zu schön Dein Bericht! Das nächste Mal meldest Dich aber, wenn wieder in hometoen bist, Freundchen!!!
Ja, Asche auf mein Haupt. War diesmal alles etwas stressig. Wird nachgeholt! Grüße nach HH…